01.02.2025
Vom Tischler zum Bauingenieur
Der Studiengang »Bauen im Bestand« von FH Münster und HBZ Münster eröffnet Karrierewege. Marcel Glados zeigt, wie Handwerk, Studium und Praxis erfolgreich kombiniert werden können.
Marcel Glados, Tischler und Bachelor of Engeneering, leitet dank seiner Kompetenzen aus dem Studium ganze Bauprojekte.
Foto: © Andreas Buck
Mit dem Gesellen- oder Meisterbrief in der Tasche lässt sich auch studieren. Wer ein Bauhandwerk erlernt hat und Berufserfahrung mitbringt, kann das Bachelor-Studium »Bauen im Bestand« aufnehmen. Dieses bieten die FH Münster und das HBZ Münster in Kooperation an. Der Tischler Marcel Glados aus Billerbeck ist diesen Weg gegangen. Heute ist er mit 31 Jahren Bauingenieur und als Führungskraft in einem Handwerksunternehmen tätig.
»Während meiner Ausbildung habe ich gemerkt, dass mich zusätzlich zum reinen Handwerk auch die gesamte Projektentwicklung der Baustellen interessiert«, erinnert sich Glados. Um beides miteinander zu kombinieren, habe er nach einem praxisorientierten Studium gesucht. Der Studiengang »Bauen im Bestand« am Handwerkskammer Bildungszentrum (HBZ) in Münster passte für ihn perfekt. Er brachte ein Abitur mit, was einen direkten Start ermöglichte. Ohne eine Hochschulzugangsberechtigung hätte er auch als ausgebildeter Tischler mit diesem Bachelor-Studium loslegen können, dann aber plus drei Jahre Berufserfahrung gebraucht. Meister und Techniker erfüllen die Zulassungsvoraussetzungen ebenfalls.
Der Vollzeit-Studiengang erstreckt sich über sechs Semester und kombiniert die Fachbereiche Bauingenieurwesen und Architektur. Theorie und Praxis sind dabei eng miteinander verzahnt. Glados gefiel besonders die kleine Semestergröße von maximal 25 Studierenden: »Das sorgte für eine familiäre Atmosphäre und ermöglichte ein effizientes, nahezu individuelles Lernen.« Eine der Exkursionen, die fester Bestandteil des Lehrplans sind, führte nach Rom und beinhaltete die Besichtigung baugeschichtlich oder denkmalpflegerisch bedeutsamer Gebäude. Der Praxisbezug sei auch durch Besuche bei der Baustoffindustrie und Fortbildungen zu Arbeitsabläufen und zur Verwendung von Produkten gefestigt worden, berichtet der Absolvent. Er findet: »Durch die Projektarbeiten in jedem Semester, erhält der Studiengang sein Alleinstellungsmerkmal. Die Absolventen werden bestmöglich auf den Eintritt in einen zukunftssicheren Berufszweig vorbereitet.«
2019 legte er die Abschlussprüfung ab und erwarb den Titel »Bachelor of Engineering«. Glados hat mit dem Studium im Anschluss an die Ausbildung den für sich richtigen Beruf gefunden. »Die Vielfältigkeit bei der Sanierung von Bestandsgebäuden ist beeindruckend.« Heute leitet er als Geschäftsführer der Bauunternehmung Kappel in Münster Bauprojekte in der ganzen Region, von kleinen Umbauten bis hin zu umfangreichen Sanierungen. Der Handwerksbetrieb ist spezialisiert auf Bestands- und Altbausanierung sowie die energetische Sanierung. Glados‘ Aufgabenbereich umfasst die Projektabwicklung von der Akquise über die Durchführung bis hin zur Überwachung und dem Abschluss.